Adventskalender Türchen Vater wider Willen

Die folgende Geschichte über eine scheinbare »Nebenrolle« in der Weihnachtsgeschichte hat Christa für uns entdeckt:

Vater wider Willen

Wie würde die Weihnachtsgeschichte wohl aus Josefs Sicht klingen?

Maria hatte mit einem Engel gesprochen; sie vertraute Gottes Plan. Aber ich fragte mich: Wie kann sich Gott einfach in meine Familienplanung einmischen? Wie kann er sich erlauben, meine Hochzeitspläne zu verschieben? Wie kann er mir das Wichtigste nehmen, was ich habe – meine Maria?

Ich habe mir mein Leben anders vorge­stellt. Und dann kommt Gott und stellt alles auf den Kopf. Nie im Leben hätte ich geglaubt, dass er mich – den einfachen Handwerker – beachtet und so große Dinge mit mir vorhat. Aber als ich mich aus dem Staub machen wollte, sagte er einfach: „Du bleibst da! Du nimmst dieses Kind als dein eigenes an und gibst ihm den Namen, den ich ausgesucht habe.“

Es hat lange gedauert, bis ich begriff, dass Gott mich reich beschenken wollte. Zuerst habe ich nur gesehen, dass er mir alle meine Pläne kaputt gemacht hat. Langsam, ganz langsam fing ich an zu ahnen, dass er mir noch viel mehr Segen geben wollte, als ich jemals gewagt habe zu träumen. Ja, so sind wir Menschen manchmal. Wir meinen, Gott muss unsere Pläne segnen. Dabei sind seine Pläne viel besser! Wir planen unser Leben. Wir überlegen jetzt schon, was nächstes Jahr passieren soll. Aber wir fragen nicht ernsthaft, was Gott vorhat. Wir rechnen nicht damit, dass Gott mit uns Geschichte schreiben will.

Aber Gott wollte Geschichte schreiben mit Maria und mir. Genauso will Gott auch mit Ihnen Geschichte schreiben. Gott wollte unser Leben auf den Kopf stellen. Und Gott will auch Ihr Leben auf den Kopf stel­len. Darum geht es im Advent. Gott will mitten in unser Leben hineinkommen und ihm eine völlig neue Qualität geben. Mit unseren Planungen werden wir diese Welt nicht verändern, aber wenn der Sohn Got­tes in unserem Leben Raum gewinnt, dann verändert er durch uns diese Welt.

Maria hat Gott so wunderbar erlebt, aber ich konnte es nicht glauben. Kann man Gott so direkt erleben? Ich kenne keinen, der so etwas schon mal erlebt hat. Ich habe mich gefragt, ob so etwas Verrücktes von Gott sein kann. Der Heilige Geist kann sicher viel tun, aber geht das nicht ein bisschen zu weit, wenn eine Jungfrau schwanger wird?

Ich habe Gott auf das reduziert, was ich für normal gehalten habe. Ich habe sein Wir­ken, sein Reden, seine Kraft eingeschränkt. Ich habe ihn und sein Tun in mein Schema gepresst: ,,So und so handelt Gott heute.“ Aber das war falsch. Gott redet auch heute noch ganz konkret. Gott spricht auch heute noch unerwartet in unser Leben hinein. Gott tut auch heute noch Wunder.

Aber Gott hatte Geduld mit mir. Nachdem ich es Maria nicht geglaubt hatte, hat Gott seinen Engel einfach auch zu mir geschickt. Der Engel hat mir noch einmal ganz in Ruhe erklärt, was Gott vorhat. Und er hat mich damit nicht überfordert. Maria wollte ich sowieso heiraten. Ich wollte sowie­so mit ihr Kinder haben und eine Fami­lie gründen. So gesehen, gebrauchte Gott meine eigenen Planungen, um sie noch viel mehr zu segnen. Erst dachte ich, Gott macht alles kaputt. Aber dann entdeckte ich, dass er nicht nur mir, sondern der ganzen Welt ein riesiges Geschenk machen will.

Und doch war meine eigene Entscheidung gefragt. Ich musste dieser Idee Gottes zustimmen. Ich musste Ja sagen und dieses Kind annehmen, obwohl es nicht mein Kind war. Gott ging nicht einfach über mich hinweg, er wollte mit mir zusammenarbeiten. Er will diese Welt nicht ohne mich verän­dern. Er will diese Welt auch nicht ohne Sie verändern. Gott suche Menschen, die ihm Unmögliches zutrauen. Das ist der Glaube, den er sucht.

Gott hat mich unfassbar reich beschenkt. Was für ein Wunder: Gott kommt zu mir, um mit mir zusammen seine Geschichte des Heils zu schreiben!

von Martin Vosseler

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